6. ( ) of sur_Face

( ) of sur_Face

Bild 1 von 5

2013, Installation im Wewerka Pavillon, Münster 3. 9.– 27. 10. 2013

Der Eindruck ist still. Wenige Objekte sind im Raum des Wewerka-Pavillons verteilt. Jedes wirkt isoliert – ein aufgewickelter langer schwarzer Gartenschlauch, eine fast senkrecht stehende dünne, nicht ganz gerade Metallstange; ein Buchsbaum-Busch, neben dem ein weißer Fußball liegt; ein vierteiliger Wandschirm – verschiebbar auf kleinen Rollen stehend – wie im Krankenhaus, aber mit fast durchsichtigem Tuch bespannt; eine Mauer, ungefähr brusthoch, mit U-förmigem Grundriss, deren einer Arm länger ist und langsam an Höhe verliert und deren anderer, kurzer Arm in einer breiten Sitzfläche endet; zwei Metallgeländer, lindgrün angestrichen, die einen kurzen Gang bilden, bevor das eine – niedrigere – Geländer rechtwinklig abbiegt. Die Mauer ist am wenigsten Objekt, sie ist eher ein architektonisches Element, das aber durch seinen hellblau gesprenkelten Überzug aus kleinteiligen Mosaikfliesen ebenfalls einen Bezug zur Alltagswelt herstellt – hier zum Bereich Schwimmbad oder Sauna.

Es liegt aber eigentlich nicht an der irritierenden Verschiedenartigkeit der Objekte, dass diese Stille im Raum entsteht. Es liegt vielmehr an den architektonischen Bezügen, die die Leere des Raumes umklammern. Die geflieste Mauer schmiegt sich in eine Ecke des Ausstellungsraums. An der anderen Schmalseite nimmt ein niedriger Sockelbereich mit L-förmiger Grundfläche die gesamte Raumbreite ein. Auf ihm liegt an einem Ende der aufgerollte Gartenschlauch, am anderen erhebt sich eine zweite kreisförmige Sockelform mit dem vertikalen Metallstab in ihrem Zentrum. In der Mitte steht der kleine Buchsbaum in einem großen weißen, quaderförmigen Sockel, dessen eine Wand wie ein angeschnittenes Fries-Profil nach vorne kommt. Auch der Wandschirm und die Geländerkonstellation teilen ansatzweise den Raum ein.

Diese architektonischen Akzente stellen erst eine Raumspannung her, die alle Bestandteile der Installation umgreift. Die Oberfläche (surface) des Fußbodens wird zum untersten gemeinsamen Sockel: (     ) of sur Face. So verwandelt sich der leere Innenraum zum immateriellen Fluidum, das von den Objekten und niedrigen architektonischen Elementen modelliert wird. Von ferne erinnern die verstreuten und gezielt platzierten einzelnen Elemente an ostasiatische Gärten, die sich zwischen einem Weiher, einem Bach, einem kleinen Tempel, Beeten, Steinen und Büschen entfalten.

In diesen fließenden Spannungsfeldern und räumlichen Zuordnungen setzen die Objekte ihre individuellen Akzente. Sie wirken klein – in Bezug zu den Zwischenräumen – und sie beginnen ihre speziellen Dialoge: zwischen der horizontal aufgerollten Linie des Schlauchs und der vertikalen Linie des Metallstabs, zwischen der hellblauen „Sauna“-Mauer, den beiden hellgrünen Geländern und dem Wandschirm mit seinen rosafarbenen Metallstäben… Bei dem Busch ist ein Fußball gelandet (aus dem Raum her) und der Busch bezieht sich auf den umgebenen Park.

Man sieht nicht einzelne Objekte aus der Distanz an, sondern man ist als Betrachter selbst beteiligt, man bewegt sich mit seinen Vorstellungen und körperlichen Reaktionen in diesen Raumspannungen und nimmt teil an den Dialogen der Dinge und Zonen. Die Leere wird immer wichtiger, der offene Bewegungsraum des Menschen. „Die Umwelt ist die negative Form für unsere Identität“, sagt Suna Kim.

 

Dr. Prof. Erich Franz