Interview with someone who is nowhere

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2012, Installation, Stoffe, Polster, Holz, Metall, Klettergriffe, Teppich

Vielleicht kennt die Eine oder der Andere hier folgende Situation: Man wacht morgens auf, hat irgendwie unglücklich auf einem Arm gelegen. Der Arm ist völlig taub und kommt einem wie eine gefühllose Masse vor, die gar nicht mehr richtig zum Körper gehört. Der Kopf weiß zwar, dass der Arm noch da ist – aber der Körper will das nicht so richtig glauben.

Vielleicht kommt auch diese Situation manchen bekannt vor: Gelegentlich sind wir – vor allem dann, wenn wir unsere eigene, vertraute Kultur verlassen und in eine andere Kultur eintauchen – mit Gegenständen konfrontiert, bei denen wir nicht sofort wissen, wofür sie eigentlich da sind und wie man sie richtig benutzt. Und auch wenn unser Denken in diesem Moment noch ratlos ist, was wir mit diesem Gegenstand anfangen sollen, so hat unser Körper doch manchmal schon eine instinktive Ahnung oder Intuition, mit welcher Berührung oder Bewegung er einen Zugang zu diesem Objekt finden und ihm sein Geheimnis entlocken kann.

Und möglicherweise hat sich ja auch jemand schon einmal vorgestellt, welche Spuren oder welchen Abdruck sein Körper in dem ihn umgebenden Raum hinterlässt, wie dieser den Körper als eine Art Negativform umgibt und ihn gleichsam stetig ‚abformt’.

Unser Körper im Verhältnis zu anderen Körpern, Gegenständen und nicht zuletzt zu dem ihn umgebenden Raum – dies ist ein zentrales Thema in Suna Kims Arbeit.

Wir begegnen in ihrer Arbeit Gegenständen, die uns einerseits vertraut erscheinen, die bestimmte Assoziationen wecken, uns vage an etwas erinnern, deren Funktion wir zu erahnen scheinen, die sich jedoch gleichzeitig und je länger wir sie betrachten solchen Zuschreibungen auch wieder entziehen und als Objekte und Skulpturen Autonomie beanspruchen. Und wir begegnen in Sunas Arbeit dem Wunsch, einen Raum zu schaffen, in dem wir uns im besten Fall jenseits unserer festgeschriebenen gesellschaftlichen Identität bewegen, uns im einfachen Existieren, im Hier-und-jetzt-Sein erleben können. Einen Ort, an dem wir von der gewohnten ziel- und zweckgerichteten Berührung mit und Bewegung im Raum hin zu einer freieren Bewegung und Berührung gelangen können – vielleicht ein bisschen wie im Tanz.

Elisabeth (Lis) Schröder, 2013